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Ada Colau lächelnd, 2015

Barcelona · 2015

Barcelona en Comú

Guanyem!

Katalanisch für „Gewinnen wir!“: der Name der Bürgerplattform, aus der die Kandidatur hervorging.

Eine Plattform aus der Bewegung gegen Zwangsräumungen bat um 30.000 Unterschriften, bevor sie antrat, und gewann 11 Monate später das Rathaus von Barcelona. Wie du Legitimität aufbaust, bevor du um Stimmen bittest.

Eine Hommage an die Tausenden, die Guanyem und Barcelona en Comú aufgebaut haben, und an ihr Internationales Komitee, das die Methode veröffentlichte, damit andere Städte sie nutzen. Unabhängiges Projekt, ohne Verbindung zur Organisation.

In 30 Sekunden

  1. 25,2 % und 11 von 41 Sitzen. Am 24. Mai 2015 wurde Barcelona en Comú stärkste Kraft und Ada Colau die erste Bürgermeisterin der Stadt.

  2. 30.000 Unterschriften, bevor es eine Kandidatur gab. Dann: Nachbarschaftstreffen, Ethikkodex und Programm in offener Beteiligung, Vorwahlen und ein Wahlkampf ohne Bankfinanzierung.

  3. Die Plattform gewann erst Legitimität und bat dann um Stimmen; die neuen Regeln wandte sie zuerst bei sich selbst an: Gehalt, Amtszeiten, Geld.

Die ersten Schritte

  1. Eine paritätische, vielfältige Pilotgruppe bilden, mit Leuten aus Organisation, Finanzen, Kommunikation und Moderation
  2. Sprecher*innen wählen, mehr als eine Person
  3. Das Manifest (Bestandsaufnahme der Stadt) und einen kurzen Text zu Grundsätzen und Verpflichtungen schreiben

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Wenn du neu bist, fang mit den Grundlagen an, vom Stimmenziel bis zu dem, was die Forschung sagt. Grundlagen lesen

Wer es gemacht hat

Barcelona en Comú legte Wert darauf, nicht „die Kandidatur einer Person“ zu sein.

Barcelona en Comú legte Wert darauf, nicht „die Kandidatur einer Person“ zu sein.

  • Ada Colau

    Mitgründerin und Sprecherin der PAH (2009–2014); Mitinitiatorin von Guanyem; Bürgermeisterin von Barcelona (2015–2023)

    Gab dem Projekt Gesicht und Glaubwürdigkeit, bestand aber vom Start an darauf, dass es kein persönliches Projekt sei und die Mitglieder die Kandidatur bestimmen würden.

    Quellen
  • Gerardo Pisarello

    Jurist, Platz 2 der Liste von Barcelona en Comú 2015

    Unterzeichnete mit dem Internationalen Komitee die Einleitung des Leitfadens Fearless Cities (2019), der das munizipalistische Netzwerk dokumentiert, das aus dem Sieg in Barcelona entstand.

    Quellen
  • Joan Subirats

    Politikwissenschaftler (UAB), einer der ersten Initiatoren von Guanyem

    Stellte die Plattform am 26. Juni 2014 im Raval vor und erzählte später, wie Unterschriften und Nachbarschaftstreffen der Entscheidung zur Kandidatur Legitimität gaben.

    Quellen
  • Jaume Asens

    Anwalt, Mitsprecher beim Start von Guanyem

    Betonte beim Start, die Kandidatur werde keine „Buchstabensuppe“ aus Parteien sein. Daraus wurde das Konzept der Konfluenz.

    Quellen
  • Kate Shea Baird

    Aktivistin bei Barcelona en Comú und Autorin über Munizipalismus

    Schrieb über die Organisation von innen (Plenum, Nachbarschaftsgruppen, SomComuns) und ist Mitautorin des Kapitels in Fearless Cities darüber, wie man eine partizipative Kandidatur aufbaut.

    Quellen
  • Xavi Ferrer, Pantxo Ramas und Yolanda Sánchez

    Barcelona en Comú; Autor*innen des Kapitels über Ethikkodex und Finanzierung

    Erzählten, wie die Kampagne aus Crowdfunding und Mikrokrediten das Unbehagen der eigenen Gruppe beim Geldbitten überwand und über 90.000 Euro einbrachte.

    Quellen
  • Adrià Rodríguez

    Barcelona en Comú; Mitautor des Kapitels über Kommunikation

    Schrieb mit Alejandra Calvo (Ahora Madrid) das Kapitel über munizipalistische Kommunikation: konkrete Sprache, Humor, der „Schwarm“ und die Bewegung zur grafischen Befreiung.

    Quellen
  • Javier Toret und Pablo Aragón

    Forscher zu Technopolitik, verbunden mit dem 15M und dem EU-Projekt D-CENT

    Bauten und untersuchten die Online-Werkzeuge, mit denen Ethikkodex und Programm debattiert wurden, und maßen die Beteiligung und das Netzwerk auf Twitter.

    Quellen

In ihren eigenen Worten

Sinngemäße Wiedergaben und kurze Zitate der Menschen, die die Plattform organisiert haben, jeweils mit Quelle.

Sinngemäße Wiedergaben und kurze Zitate der Menschen, die die Plattform organisiert haben, jeweils mit Quelle.

6 weitere Zitate

Die Geschichte

Am 26.

Am 26. Juni 2014 füllten rund 2.000 Menschen eine öffentliche Schule im Raval, um Ada Colau, Joan Subirats und Jaume Asens bei der Vorstellung von Guanyem Barcelona zu hören. Bis zur Kommunalwahl waren es noch 333 Tage. Die Plattform erklärte sich nicht zur Kandidatin: Sie bat um 30.000 Unterschriften und um Vorschläge aus den Vierteln, bevor sie entschied.

30.000
Unterschriften, verlangt als Legitimation der Kandidatur, erreicht im August 2014Kampagnenangabe
1.049
Menschen bestätigten online den Ethikkodex, 96,7 % dafürKampagnenangabe
+90.000 €
an Spenden, dazu über 200 Mikrokredite und kein einziger BankkreditKampagnenangabe
11 von 41
Sitzen im Stadtrat und 25,2 % der Stimmen am 24. Mai 2015, auf Platz einsamtlich

Von der Bewegung ins Rathaus

  1. Feb. 2009In Barcelona entsteht die PAH, die Plataforma de Afectados por la Hipoteca (Plattform der Hypothekengeschädigten). Ada Colau ist ihre Sprecherin.
  2. 5. Feb. 2013Die PAH übergibt dem Parlament 1,4 Millionen Unterschriften für ein Wohnungsgesetz. Colau wird bei der Anhörung landesweit bekannt.
  3. 26. Juni 2014Start von Guanyem Barcelona im Raval. Ziel: 30.000 Unterschriften bis September, die Hälfte von Menschen aus Barcelona.
  4. Aug. 2014Die Plattform übertrifft die 30.000 Unterschriften und beschließt, weiterzumachen. Zwei Tage vor ihrer Registrierung lässt jemand anderes den Namen „Guanyem“ eintragen.
  5. 10.–11. Okt. 2014Offener Präsenz-Workshop zum Ethikkodex mit rund 350 Menschen; danach Online-Debatte, Überarbeitung und Online-Abstimmung bis zum 3. Dezember.
  6. Feb. 2015Der Name Barcelona en Comú entsteht. Podem stimmt mit 91 % für den Beitritt und schließt sich mit ICV-EUiA, Procés Constituent und Equo der Konfluenz an.
  7. 7.–12. März 2015Online-Vorwahlen: 4.583 Teilnehmende bestimmen die Spitzenkandidatin, die Kandidat*innen pro Bezirk und die Reihenfolge der 40 Maßnahmen des Programms.
  8. 24. Mai 2015Barcelona en Comú gewinnt mit 176.612 Stimmen (25,2 %) und 11 Sitzen; die CiU von Bürgermeister Xavier Trias kommt auf 10.
  9. 13. Juni 2015Ada Colau wird mit absoluter Mehrheit im Stadtrat zur Bürgermeisterin gewählt und bildet eine Minderheitsregierung.
  10. 9.–11. Juni 2017Erster Fearless-Cities-Gipfel in Barcelona: über 700 Teilnehmende von allen Kontinenten.

Drei Ebenen

Drei Schichten trugen die Kandidatur. Die Regel war, dass alle als Einzelpersonen mitmachten, ohne Quoten pro Organisation.

  • Der bürgerschaftliche KernGuanyem: Aktivist*innen aus der PAH, aus Nachbarschaftsvereinen, aus Kultur und Universität, die das Manifest starteten und die Nachbarschaftsgruppen und Kommissionen organisierten.
  • Die Parteien, die bereit waren, aufzugehenICV-EUiA (mit Sitzen im Stadtrat), Podem, Procés Constituent und Equo traten einer gemeinsamen Liste bei, ohne Quoten und ohne ihre Kürzel auf dem Stimmzettel.
  • Die kreativen und digitalen NetzwerkeDie Bewegung zur grafischen Befreiung Barcelonas (Künstler*innen und Designer*innen) und das Netzwerk von Cyberaktivist*innen SomComuns trugen den Wahlkampf über die Organisation hinaus.
Was man nicht weiß. Die Wirkung jeder einzelnen Technik auf das Ergebnis lässt sich nicht isolieren: Der Sieg hing auch von Colaus Bekanntheit ab, vom Absturz der PSC (von 11 auf 4 Sitze) und von einer Zersplitterung, die 25 % zum ersten Platz machte.

Manche Quellen nennen unterschiedliche Zahlen: Colaus Liste erhielt in den Vorwahlen laut Presse 91,7 % der Stimmen, laut der Nesta-Studie 87,8 %; der Gipfel 2017 hatte je nach Quelle 600 bis 700 Teilnehmende; und eine Reportage spricht von über 50.000 Unterschriften. Die Beteiligung von 63 % und der Anstieg der Stimmen in armen Vierteln um 40 % stammen aus dem Bericht von Joan Subirats, nicht aus hier geprüften amtlichen Daten. Verlässliche Quellen zur Nutzung von Telegram im Wahlkampf 2015 wurden nicht gefunden. Die ausgewerteten Quellen sagen wenig über direkten Wählerkontakt und Mobilisierung am Wahltag (Haustürbesuche, Telefon, Erinnerungen). Plane sie in einem neuen Fall als Teil der Methode ein.

Das Gelände

Die Methode entstand aus einer besonderen Mischung: eine brutale Wohnungskrise, eine glaubwürdige Bewegung, die Versammlungskultur des 15M…

Die Methode entstand aus einer besonderen Mischung: eine brutale Wohnungskrise, eine glaubwürdige Bewegung, die Versammlungskultur des 15M und ein Kommunalwahlrecht, das einer Liste mit 25 % der Stimmen das Bürgermeisteramt ermöglicht.

Plattformen

Manifest mit Unterstützungsformular
Die Seite des Manifests „Guanyem Barcelona“ hatte einen Button zum Unterzeichnen und öffentliche Listen der Erstunterzeichner*innen und Unterstützer*innen. Sie war zugleich Beweis der Unterstützung, Kontaktliste und Einladung zum Mitmachen.
Offene Treffen in den Vierteln
Schulen, Plätze und Nachbarschaftsvereine: Treffen, um das Manifest vorzustellen und Probleme und Vorschläge zu sammeln.
DemocracyOS
Freie Software für Deliberation, in einer vom EU-Projekt D-CENT angepassten Version, um den Entwurf des Ethikkodex und die Programmvorschläge zu kommentieren und zu ändern. Beim Ethikkodex waren es 365 Nutzer*innen, 321 Kommentare, 957 Bewertungen und 139 Antworten.
Participa + Agora Voting
Abstimmungsportal mit Register der Eingeschriebenen und sicherer Stimmabgabe, genutzt für die Vorwahlen, die Bestätigung der Liste und die Priorisierung der 40 Maßnahmen des Programms.
Twitter und Facebook
Twitter war zentral für Kommunikation und Organisation des Wahlkampfs im Mai 2015: Eine Studie wertete 373.818 Retweets aus. Das Netzwerk von Cyberaktivist*innen SomComuns machte dort und auf Facebook Wahlkampf, neben den offiziellen Konten und dem der Kandidatin.
Video und Livestream
Kurze Videos (die Vorstellung, die Nachbarschaftstreffen, „Now's the time to win“) und Liveübertragungen der Veranstaltungen, verantwortet von der Kommunikationskommission.
Decidim (nach dem Sieg)
Open-Source-Plattform für Beteiligung, im Februar 2016 von der Stadtverwaltung für das Regierungsprogramm geschaffen. Sie gehörte nicht zum Wahlkampf 2015, ist aber das bekannteste technische Erbe der Methode.

Lage vor Ort

  • Krise nach 2008: 26 % Arbeitslosigkeit in Spanien im Jahr 2013, massenhafte Zwangsräumungen und ein Hypothekenrecht, das schon bei kurzem Zahlungsverzug die Wohnung kosten konnte.
  • Eine Bewegung mit angesammelter Glaubwürdigkeit: Die PAH, im Februar 2009 in Barcelona gegründet, stoppte Zwangsräumungen und brachte 2013 eine Volksgesetzesinitiative mit 1,4 Millionen Unterschriften ins Parlament.
  • Die Versammlungs- und Technopolitik-Kultur des 15M (2011) und der Durchbruch von Podemos bei der Europawahl im Mai 2014, einen Monat vor dem Start von Guanyem.
  • Misstrauen gegenüber den traditionellen Parteien wegen Korruptionsfällen und Sparpolitik.
  • Massentourismus: von 1,7 Millionen Hotelgästen 1990 auf fast 7,9 Millionen 2014, mit Druck auf die Mieten.
  • Spanisches Wahlrecht: geschlossene Verhältnislisten für 41 Sitze im Stadtrat; der Bürgermeister wird vom Stadtrat gewählt. Wählergruppen können ohne Partei antreten, wenn sie Unterschriften sammeln.
  • Die Debatte über die Unabhängigkeit Kataloniens: Die Plattform verteidigte das Recht zu entscheiden, ohne in der Unabhängigkeitsfrage Partei zu ergreifen, um sich nicht zu spalten.
  • Eine zweisprachige Stadt (Katalanisch und Spanisch) mit einem dichten Netz aus Nachbarschaftsvereinen und sozialen Bewegungen.

Die Methode

Der Leitfaden, den Barcelona en Comú 2016 selbst veröffentlichte, teilt den Aufbau in Phasen: vor dem Start, vom Start bis zum Wahlkampf,…

Der Leitfaden, den Barcelona en Comú 2016 selbst veröffentlichte, teilt den Aufbau in Phasen: vor dem Start, vom Start bis zum Wahlkampf, der Wahlkampf und das Regieren. Hinter den Phasen stehen drei Fronten und ein Zyklus, der sich bei jeder wichtigen Entscheidung wiederholte. In einem Stadtrat mit 41 Sitzen, gewählt über Verhältnislisten, ging es darum, Erste zu werden und Unterstützung für die Wahl zur Bürgermeisterin zu sichern.

Drei Fronten

Legitimität vor der Kandidatur
Ziele ankündigen und die Stadt um Erlaubnis bitten, noch ohne Kandidaten. Unterschriften, Nachbarschaftstreffen und lokale Bestandsaufnahmen beweisen, dass eine Mehrheit möglich ist, bevor man um Stimmen bittet.
Die Regeln zuerst bei sich ändern
Ein Ethikkodex mit Gehaltsobergrenze, Begrenzung der Amtszeiten und öffentlichen Terminkalendern, dazu Finanzen ohne Banken und mit offenen Büchern: Das zeigt in der Praxis die Politik, die man verspricht.
Gemeinsam aufbauen
Programm, Kodex und Liste mit offener Beteiligung erstellt; Parteien, die als Menschen eintreten und nicht als Kürzel; Geschlechterparität in allen Gremien.

Der Zyklus des gemeinsamen Aufbaus

Derselbe Zyklus diente für Manifest, Ethikkodex, Programm und Liste. Jede Runde band mehr Menschen ein.

  1. Eine Grundlage vorschlagen Eine paritätische Pilotgruppe schreibt einen kurzen Entwurf: Manifest, Grundsätze, Entwurf des Kodex oder ein Rahmenpapier pro Thema.
  2. In den Vierteln zuhören Offene Treffen in jedem Viertel, um die Grundlage vorzustellen und Probleme und Vorschläge der Menschen vor Ort zu sammeln.
  3. Für Änderungen öffnen Den Entwurf online und auf Papier veröffentlichen, mit kurzen Fristen (12 Tage beim Programm), für Kommentare und neue Vorschläge.
  4. Zusammenführen Die Themengruppen bündeln, prüfen die Machbarkeit und legen eine neue Fassung vor. Sie erklären, was aufgenommen wurde und was nicht.
  5. Abstimmen und priorisieren Die Eingeschriebenen bestätigen oder ordnen die Vorschläge: 40 priorisierte Maßnahmen, ein Kodex mit 96,7 % angenommen, eine in Vorwahlen bestätigte Liste.
  6. Sich öffentlich verpflichten Das Ergebnis wird zu einer unterschriebenen Verpflichtung (dem Bürgerauftrag, dem Ethikkodex), nicht zu einem losen Wahlversprechen.
  7. Wie ein Schwarm kommunizieren Kommunikationskommission, Nachbarschaftsgruppen, Künstler*innen und Cyberaktivist*innen verbreiten das Ergebnis gleichzeitig, jede und jeder auf dem eigenen Kanal.
  8. Rechenschaft ablegen Öffentliche Finanzen, Termine und Gehälter. Der Zyklus beginnt in der nächsten Phase von vorn, mit mehr Menschen und mehr Legitimität.

Und von vorn.

Toolkit

Was du brauchst, um eine kommunale Bürgerplattform aufzubauen: Struktur, Werkzeuge und Sprache.

Was du brauchst, um eine kommunale Bürgerplattform aufzubauen: Struktur, Werkzeuge und Sprache. Laut dem Leitfaden von Barcelona en Comú ist die Struktur in jeder Stadt anders, aber immer horizontal, transparent und offen für alle.

Wähle dein Land, um passende Werkzeuge und die rechtlichen Punkte zum Prüfen zu sehen.

Organisation

Im Wahlkampf waren rund tausend Menschen in den Nachbarschaftsgruppen aktiv und etwa 250 in den Fachkommissionen. Die Struktur war fast vollständig ehrenamtlich und versuchte, Horizontalität und Wirksamkeit auszubalancieren.

Minimalstruktur

Plenum
Der wichtigste Ort für strategische Entscheidungen, offen für alle, die in irgendeiner Gruppe mitmachen. Tagt mindestens alle zwei Wochen und kann Entscheidungen der ganzen Bürgerschaft zur Befragung vorlegen.
Koordinationsteam
Sprecher*innen, Kandidat*innen und ihre Teams, zwei Vertreter*innen jeder Kommission und eine Person aus der Gebietsarbeit. Entscheidet das Dringende und bringt das Strategische ins Plenum. Zwei Personen moderieren und führen Protokoll.
Nachbarschaftsgruppen
Offene Versammlungen für alle Bewohner*innen. Sie nehmen Neue auf, helfen bei den Online-Werkzeugen, machen die lokale Bestandsaufnahme und tragen den Wahlkampf auf die Straße. Sie schicken zwei Personen in die Koordination der Viertel.
Inhaltskommission und Themengruppen
Gesundheit, Bildung, Wohnen und Stadtplanung, Migration, Gender, Kultur, Wirtschaft und mehr. Sie sammeln die Programmvorschläge, führen sie zusammen und prüfen ihre Machbarkeit.
Kommunikationskommission
Website und Server, Grafikdesign, soziale Netzwerke, Presse, Video, Streaming, Mailings, Übersetzung und Lektorat sowie Datenanalyse.
Logistik und Finanzen
Logistische Unterstützung, Kasse, Merchandising, Rechtsbeistand und die rechtlichen Verfahren, einschließlich der Registrierung der Partei.
Konfluenz
Pflegt die Beziehung zu den Parteien und Bewegungen, die sich anschließen wollen, und verhandelt die gemeinsame Liste.
Ausweitung und Mitwirkende
Nimmt alle auf, die schreiben und helfen wollen, und organisiert regelmäßige Treffen für neue Mitwirkende. Sie ist der Eingang zur Plattform.

Rhythmus

  1. Phase AVor dem Start: paritätische Pilotgruppe, Sprecher*innen, Manifest und Grundsatztext.
  2. Sommer 2014Öffentlicher Start, Unterschriftensammlung und 30 bis 40 Nachbarschaftstreffen, um das Manifest vorzustellen und zuzuhören.
  3. Herbst 2014Ethikkodex in zwei Monaten: Entwurf, Workshop vor Ort, Online-Debatte, Überarbeitung und Bestätigung.
  4. Winter 2014–15Bestandsaufnahmen in den Vierteln, Rahmenpapiere der Themengruppen und Verhandlung der Konfluenz.
  5. Anfang 2015Online-Debatte der Vorschläge (12 Tage für Änderungen) und im März Vorwahlen mit Priorisierung des Programms.
  6. Mai 2015Phase C: Eine Wahlkampfkommission übernimmt Planung und tägliche Umsetzung bis zum Wahltag.
  7. Alle zwei WochenPlenum, von Anfang bis Ende.

Die Quellen beschreiben den Kalender in Phasen und das Plenum alle zwei Wochen, kein tägliches Ritual. Der Unterschied zu einem kurzen Wahlkampf: Hier war der Rhythmus der des Aufbaus: 333 Tage zwischen Start und Wahl.

Plan B

  • Als jemand anderes den Namen „Guanyem“ eintragen ließ, registrierte Colaus Umfeld während des Rechtsstreits drei Reserveparteien und nahm schließlich einen neuen Namen an.
  • Von Anfang an mehrere Sprecher*innen, damit das Projekt nicht an einer einzigen Figur hing.
  • Für jeden Online-Schritt ein Angebot vor Ort, damit niemand ausgeschlossen wird, der wenig digital unterwegs ist oder weniger Zeit hat.
  • Finanzierung verteilt auf Hunderte Menschen statt auf einen einzigen Gläubiger wie eine Bank.
  • Eine Kommission mit ständigem Rechtsbeistand und eine frühzeitig erledigte Registrierung der Partei.

Technik

Fast alles war freie oder kostenlose Software. Teuer war die Zeit Hunderter Freiwilliger, die alle begleiteten, die mit den Werkzeugen nicht klarkamen.

  • Manifestseite mit UnterzeichnungKostenlos bis 10 €/Jahr

    Manifest, Verpflichtungen und ein Unterschriftenformular mit Einwilligung. Die öffentliche Liste der Unterstützer*innen ist der Beweis der Legitimität.

  • Register der EingeschriebenenKostenlos (freie Software)

    Ein einziges Verzeichnis der eingeschriebenen Menschen, das Zugang zu den Abstimmungen gibt und die Mitteilungen erhält. In Barcelona diente das Portal Participa als Register.

  • Online-Deliberation (DemocracyOS oder Decidim)Kostenlos (freie Software) + Hosting

    Um Entwürfe von Ethikkodex und Programm mit kurzen Fristen zu kommentieren und zu ändern. Heute kann das quelloffene Decidim das und noch viel mehr.

  • Sichere Abstimmung (Agora Voting oder Vergleichbares)Kostenlos bis günstig

    Für Vorwahlen, Bestätigung der Liste und Priorisierung von Maßnahmen, mit Identitätsprüfung der Abstimmenden.

  • Kalender und Karte der NachbarschaftstreffenKostenlos

    Ein öffentlicher Kalender der offenen Treffen mit Ort und Uhrzeit, dazu Karten, auf denen die Probleme jedes Viertels markiert werden.

  • Soziale Netzwerke und Netzwerk von Cyberaktivist*innenKostenlos

    Offizielle Konten plus ein freiwilliges Netzwerk (SomComuns), das abgestimmt postet. Das Konto der Kandidatin darf nicht das einzige Zentrum sein.

  • Video und LivestreamKostenlos

    Kurze Videos, die jede Phase erklären, und Übertragungen von Versammlungen und Veranstaltungen für alle, die nicht dabei sein können.

  • Crowdfunding und MikrokrediteGebühren des Zahlungsanbieters

    Kleinspenden und zinslose Darlehen von Privatpersonen mit fester Rückzahlungsfrist, mit Angabe, wer beiträgt, und veröffentlichten Finanzen.

  • Öffentliches Register von Vorschlägen und FinanzenKostenlos

    Eine Tabelle oder ein Modul, das jeden Vorschlag zeigt, was aus ihm wurde, und die Einnahmen und Ausgaben der Plattform.

  • Zuhören und DatenanalyseKostenlos

    Die öffentliche Debatte verfolgen und die Beteiligung nach Viertel, Alter und Kanal messen, um Ungleichheiten auszugleichen.

Spickzettel nach Kanal

Spalten des Vorschlagsregisters

Datum · Herkunft (Viertel, Themengruppe, online) · Vorschlag · Vorgeschlagen von · Unterstützung oder Stimmen · Entscheidung (angenommen, zusammengeführt, abgelehnt) · Öffentliche Begründung · Zuständig für die Rückmeldung

Die Werkzeuge kosten fast nichts. In Barcelona brachte der Wahlkampf über 90.000 Euro an Spenden und über 200 Mikrokredite ein (bis zu 10.000 Euro pro Kredit, nach einem Jahr zinslos zurückgezahlt). Die Gesamtkosten des Wahlkampfs 2015 fanden sich in den geprüften Quellen nicht. Zum Vergleich: Die Schwesterplattform Ahora Madrid gab ein Budget von rund 200.000 Euro an.

Kommunikation

Die Plattform sprach in Alltagssprache über konkrete Probleme, mit Humor und vielen Gesichtern. Künstler*innen und Designer*innen stellten offene Bilder bereit, die alle nutzen und remixen konnten.

Die Formel einer munizipalistischen Botschaft

  1. Konkret Ein Problem, das man aus dem Fenster sieht: die Miete, die Zwangsräumung, die Stromrechnung, die Luft.
  2. Lokal Namen, Orte, Geschichten und Symbole der Stadt, kein ideologischer Jargon.
  3. Wir Das Subjekt ist die organisierte Nachbarschaft; die Kandidatin ist eine Stimme unter vielen.
  4. Vorschlag Was sich ändert, direkt aus dem Programm, das die Menschen selbst geschrieben haben.
  5. Einladung Ein Weg, sofort mitzumachen: unterschreiben, zum Nachbarschaftstreffen kommen, ändern, abstimmen, spenden.
  6. Freude Humor und Hoffnung. Angst und Hass sind die Sprache des Gegners.
  7. Wahrheit Genaue Daten mit Quelle. Glaubwürdigkeit ist das, was Menschen zum Teilen bringt.

Schreibregeln

  • Sprich und schreib wie normale Leute, ohne Aktivist*innen-Jargon.
  • Konkretes statt Abstraktes: „hohe Mieten“, nicht „Finanzialisierung“.
  • Nutze Symbole und Bezüge aus Geografie, Geschichte und Identität vor Ort.
  • Sei genau: Eine falsche Information kostet mehr, als zehn richtige bringen.
  • Humor und Ironie gegen den Gegner; nie kriegerische oder hasserfüllte Botschaften.
  • Gib die Materialien zum Remix frei: freie Bilder, Memes, Formate, die alle anpassen können.
  • Zeig die Arbeit der Nachbarschaftsgruppen und mehrere Sprecher*innen, nicht nur die Spitzenkandidatin.
  • Kommunikation ersetzt weder Versammlungen noch Organisation: Jedes Stück soll zu einer Form der Beteiligung führen.

Beispiel

Liebe Nachbarin, lieber Nachbar: Ist deine Miete schon wieder gestiegen? Damit bist du nicht allein. Am Mittwoch um 19 Uhr tragen wir in der Schule im Viertel die Probleme unserer Straße auf einer Karte zusammen und schreiben die Vorschläge, die ins Programm der Stadt kommen. Es gibt Platz für Kinder. Wenn du nicht kommen kannst, gib deinen Vorschlag bis Sonntag online ein: [Link]. Wir haben schon 12.000 Unterschriften; das Ziel sind 30.000 bis September. Wer über die Stadt entscheidet, sind wir.

Auf deine Lage übertragen

Barcelona hatte Bedingungen, die wenige Städte haben.

Barcelona hatte Bedingungen, die wenige Städte haben. Anderswo behältst du Abfolge und Ethik und tauschst Werkzeuge, Kanäle und Rechtsformen aus.

Funktioniert überall

  • Fang mit gemeinsamen Zielen und mit Zuhören an, nicht mit der Frage, wer kandidiert.
  • Teste die Legitimität mit einem öffentlichen Unterstützungsziel, bevor du über eine Kandidatur entscheidest (zum Beispiel 1 % der Bevölkerung).
  • Nur eine Plattform pro Stadt: Bündle ähnliche Initiativen, statt mit ihnen zu konkurrieren.
  • Menschen machen als Einzelpersonen mit, ohne Quoten für Parteien oder Organisationen.
  • Geschlechterparität und Fürsorge (Uhrzeiten, Kinderbetreuung, Redezeit) schon ab der Pilotgruppe.
  • Ein schriftlicher Ethikkodex, vor der Wahl abgestimmt, mit Gehaltsobergrenze, Begrenzung der Amtszeiten und Transparenz.
  • Geld von vielen Menschen, öffentliche Finanzen, keine Schulden bei Banken oder Großspender*innen.
  • Jeder Online-Schritt hat eine Entsprechung vor Ort, und umgekehrt.
  • Immer zurückmelden: sagen, was aus jedem Vorschlag wurde und warum.

Hängt von der Lage ab

Wählergruppe
In Spanien können Gruppen von Bürger*innen ohne Partei antreten. Wo das Gesetz eine Parteimitgliedschaft verlangt (wie in Brasilien), verhandle mit einer nahestehenden Partei über die rechtliche „Hülle“, so wie Muitas 2016 in Belo Horizonte mit dem PSOL. Und schreib die Regeln für deine Autonomie auf, bevor du eintrittst.
Bürgermeister vom Stadtrat gewählt
In Barcelona kann die stärkste Liste mit 25 % regieren. Wo der Bürgermeister direkt in zwei Wahlgängen gewählt wird, braucht die Plattform eine Strategie für die Stichwahl und eigene Listen für den Stadtrat.
Die PAH und die Figur Colau
Die Glaubwürdigkeit kam aus Jahren, in denen Zwangsräumungen verhindert wurden. Such die lokale Bewegung mit einer Geschichte konkreter Siege und anerkannten Sprecher*innen. Ohne das: Fang mit kleinen Siegen an, bevor du zur Wahl antrittst.
Twitter im Jahr 2015
Nutze den Kanal, auf dem die politische Debatte deiner Stadt heute stattfindet: WhatsApp-Kanäle und -Gruppen in Brasilien, Telegram, wo es dominiert, Instagram oder TikTok für ein junges Publikum. Führe eine eigene Liste mit Einwilligung.
DemocracyOS und Agora Voting
Decidim und Consul sind frei und werden von Communitys gepflegt. Für kleine Gruppen reichen ein Formular mit Prüfung und eine öffentliche Tabelle.
Mikrokredite
Die Regeln zur Wahlkampffinanzierung sind sehr unterschiedlich. Kläre mit der Wahlbehörde, ob Darlehen von Privatpersonen und Crowdfunding erlaubt sind und wie Beitragende anzugeben sind.
Versammlungskultur des 15M
Wo es keine Gewohnheit von Versammlungen gibt, nutze kurze, praktische Formate: Gesprächsrunden, Karten, beschriebene Kärtchen, konkrete Aufgaben für jede Person.
Die Unabhängigkeitsdebatte
Jede Stadt hat eine Bruchlinie, die die Plattform spalten kann. Entscheide früh, wie ihr damit umgeht, damit sie die kommunale Agenda nicht verschluckt.

Spielzüge zum Mitnehmen

Such dir die Spielzüge aus, die zu deiner Lage passen, und leg sie in dein Kit.

Such dir die Spielzüge aus, die zu deiner Lage passen, und leg sie in dein Kit.

  1. Erst die Stadt fragen, dann antreten

    Statt eine Kandidatin zu verkünden, veröffentlichte die Plattform ein Manifest und ein Unterschriftenziel mit Frist und entschied erst nach über 30.000 Unterschriften im August 2014, anzutreten. Die Unterschriften waren Beleg für Rückhalt, Kontaktliste und Einladung zum Mitmachen zugleich.

    So baust du ihn auf, Schritt für Schritt
    Wirkt, wenn
    Es funktioniert, wenn es eine glaubwürdige lokale Bewegung oder ein Netzwerk gibt und noch einige Monate bis zur Wahl bleiben.
    Nicht nutzen, wenn
    Es taugt nichts, wenn es nur Inszenierung ist: Steht die Entscheidung schon fest und ändert das Ergebnis nichts, wird das Ziel zur Propaganda und das Vertrauen ist weg.
    1. Woche −52 Eine paritätische Pilotgruppe bilden und Manifest und Grundsätze schreiben
    2. Woche −50 Mit einer Anwältin die Rechtsform klären und Namen samt Alternativen sichern
    3. Woche −47 Öffentlich in einem Arbeiterviertel starten, mit Unterschriftenziel und Frist
    4. Woche −47 Die Unterstützungsseite mit Einwilligung und öffentlichem Zähler öffnen
    5. Woche −45 In jedem Viertel offene Treffen machen, um das Manifest vorzustellen und zuzuhören
    6. Woche −39 Zum Fristende öffentlich verkünden, ob die Plattform antritt und warum

    Team

    • Pilotgruppe: schreibt das Manifest und legt die Frist fest
    • Mehrere Sprecher*innen: stellen das Projekt in den Vierteln vor
    • Einstieg: empfängt, wer unterschreibt und helfen will
    • Rechtshilfe: Rechtsform und Namensregistrierung

    Was du misst: Gültige Unterschriften im Verhältnis zum öffentlichen Ziel (der Leitfaden schlägt etwa 1 % der Bevölkerung vor), nach Vierteln verfolgt, um zu sehen, wo noch Lücken sind.

    Risiken im Blick: Unterschriftenlisten sind Daten über politische Meinungen: Hol dir eine ausdrückliche Einwilligung, speichere nur das Nötigste und erfinde oder verdopple nie Unterschriften, um den Zähler aufzublähen.

  2. Ethikkodex vor der Wahl abstimmen

    Ein Kodex mit Gehaltsobergrenze, Amtszeitbegrenzung und öffentlichen Terminkalendern, in zwei Monaten erarbeitet: Präsenz-Workshop, Online-Debatte und Bestätigung durch die Mitglieder (96,7 % dafür). Er zeigte praktisch die Politik, die die Plattform versprach.

    So baust du ihn auf, Schritt für Schritt
    Wirkt, wenn
    Es funktioniert, wenn Misstrauen gegenüber der Politik das zentrale Thema ist und die Plattform bereit ist, sich an die eigenen Regeln zu halten.
    Nicht nutzen, wenn
    Nutze ihn nicht als Marketing, das niemand kontrolliert: Regeln mit Ausnahmen, die einer Person auf den Leib geschneidert sind, schaden mehr als gar keine Regeln.
    1. Woche −33 Einen kurzen Entwurf schreiben: Gehaltsobergrenze, Amtszeitlimit, offene Kalender
    2. Woche −31 Einen offenen Präsenz-Workshop zum Entwurf machen
    3. Woche −30 Den Entwurf mit kurzer Frist online für Kommentare und Änderungen öffnen
    4. Woche −28 Überarbeiten und mit Begründung veröffentlichen, was übernommen wurde und was nicht
    5. Woche −27 Den Kodex von den Mitgliedern abstimmen lassen, mit vorab veröffentlichten Regeln
    6. Woche −9 Die Kandidierenden den Kodex öffentlich unterschreiben lassen
    7. 2 Woche(n) danach Ein Kontrollgremium einrichten und Gehälter und Kalender veröffentlichen

    Team

    • Redaktion: schreibt den Entwurf und die weiteren Fassungen
    • Moderation: leitet Workshop und Online-Debatte
    • Kontrolle: überwacht die Einhaltung nach der Wahl

    Was du misst: Pro Quartal eingehaltene Zusagen des Kodex (Gehälter unter der Obergrenze, veröffentlichte Terminkalender, eingehaltene Amtszeitgrenzen), vom Kontrollgremium geprüft und gemessen an allem, was die Kandidierenden unterschrieben haben.

    Risiken im Blick: Ein Kodex, der für eine Person geändert wird, verliert seinen Wert; leg von Anfang an fest, wie er überarbeitet wird und wer über Ausnahmen entscheidet.

  3. Ein Programm, von den Vierteln geschrieben

    Ein wiederholter Zyklus für das Programm: kurzer Basistext, Nachbarschaftstreffen, 12 Tage Online-Änderungen, Synthese in den Themengruppen und Gewichtung der 40 Maßnahmen in den Vorwahlen. Jede Runde band mehr Menschen an das Ergebnis.

    So baust du ihn auf, Schritt für Schritt
    Wirkt, wenn
    Es funktioniert, wenn Nachbarschafts- und Themengruppen genug Leute haben, um zusammenzufassen und jeden Vorschlag zu beantworten.
    Nicht nutzen, wenn
    Öffne den Prozess nicht, wenn du nicht antworten kannst: Vorschläge sammeln und nichts zurückgeben ist schlimmer, als gar nicht zu fragen.
    1. Woche −24 Themengruppen gründen und kurze Rahmendokumente pro Thema schreiben
    2. Woche −20 Nachbarschaftsdiagnosen mit gedruckten Karten und Zetteln machen
    3. Woche −16 Die Dokumente mit kurzer Frist online und auf Papier zur Änderung stellen
    4. Woche −14 In den Themengruppen zusammenfassen und die Machbarkeit jedes Vorschlags prüfen
    5. Woche −13 Jeden Vorschlag öffentlich beantworten: angenommen, zusammengelegt, abgelehnt, warum
    6. Woche −11 Die Maßnahmen per sicherer Abstimmung der Mitglieder gewichten
    7. Woche −9 Das Ergebnis in eine unterschriebene Verpflichtung verwandeln und verbreiten

    Team

    • Inhaltskommission: koordiniert die Themengruppen
    • Nachbarschaftsgruppen: machen die Diagnosen und helfen Menschen, die nicht online sind
    • Register: macht öffentlich, was aus jedem Vorschlag wurde

    Was du misst: Menschen, die zu den Viertelsdiagnosen und -treffen kommen, gezählt auf der Anwesenheitsliste nach Viertel und Alter; wo wenige kommen, bring ein Treffen dorthin, bevor das Programm feststeht.

    Risiken im Blick: Online-Werkzeuge schließen Menschen mit wenig Zeit oder digitaler Übung aus; gib jedem Schritt eine Präsenz-Variante und prüfe die Identität der Abstimmenden.

  4. Finanzen ohne Banken, offene Bücher

    Die Kampagne sammelte über 90.000 Euro an Spenden und mehr als 200 Kleinkredite von Privatpersonen, zinslos und innerhalb eines Jahres zurückgezahlt, ohne jeden Bankkredit und mit veröffentlichten Konten. Das Geld vieler Menschen wurde zu Unabhängigkeit und zum Argument.

    So baust du ihn auf, Schritt für Schritt
    Wirkt, wenn
    Es funktioniert, wenn das Gesetz Spenden und Darlehen identifizierter Privatpersonen erlaubt und jemand die Kasse sorgfältig führt.
    Nicht nutzen, wenn
    Nutze keine Kleinkredite, wo das Wahlrecht sie verbietet oder du die Rückzahlung nicht sicher stemmen kannst: Unbezahlte Schulden bei Unterstützer*innen zerstören Vertrauen.
    1. Woche −30 Bei der Wahlbehörde klären, was erlaubt ist: Spenden, Darlehen, Obergrenzen
    2. Woche −28 Die Regeln aufschreiben: keine Banken, offene Konten, identifizierte Geber*innen
    3. Woche −26 Die Finanzkommission und eine Seite für Spenden und Kleinkredite aufsetzen
    4. Woche −20 Bei jedem Treffen um Unterstützung bitten und die Kreditbedingungen wiederholen
    5. Woche −16 Einnahmen und Ausgaben in einem offenen, aktuellen Register veröffentlichen
    6. Woche −4 In der Schlussphase eine fröhliche, sichtbare Spendenaktion machen
    7. 26 Woche(n) danach Die Kleinkredite pünktlich zurückzahlen und den Kontoabschluss veröffentlichen

    Team

    • Kasse: verbucht jeden Eingang und jede Rückzahlung
    • Finanzkommission: bittet, erklärt und betreut die Kleinkredite
    • Rechtshilfe: prüft Obergrenzen und Identifizierung

    Was du misst: Zahl der Menschen, die spenden oder leihen (nicht nur die Gesamtsumme), und Anteil der Mikrokredite, die zum versprochenen Termin zurückgezahlt sind. Ziel sind 100 %.

    Risiken im Blick: Finanzierungsregeln sind sehr unterschiedlich: Identifiziere alle Geber*innen, halte Obergrenzen und Verbote ein und zahl Darlehen zum versprochenen Termin zurück.

  5. Wie ein Schwarm kommunizieren

    Kommunikationskommission, Nachbarschaftsgruppen, Künstler*innen mit frei remixbaren Bildern und das Cyberaktivist*innen-Netz SomComuns posteten gleichzeitig, alle auf dem eigenen Kanal, in nachbarschaftlicher Sprache und mit vielen Gesichtern. Die Kandidatin war eine Stimme unter vielen.

    So baust du ihn auf, Schritt für Schritt
    Wirkt, wenn
    Es funktioniert, wenn ein Netz aus Freiwilligen und Kreativen bereit ist, synchron zu posten, und es freie Materialien zum Anpassen gibt.
    Nicht nutzen, wenn
    Ersetze Versammlungen und Organisierung nicht durch Kommunikation: Ein Beitrag, der zu keiner Form des Mitmachens führt, ist nur Lärm.
    1. Woche −30 Die Kommunikationskommission und ein Netz freiwilliger Digital-Aktivist*innen aufbauen
    2. Woche −20 Künstler*innen und Designer*innen um freie Bilder zum Remixen bitten
    3. Woche −12 Jeden Beitrag nach der Formel schreiben: konkret, lokal, wir, Vorschlag, Einladung
    4. Woche −8 Für jeden Meilenstein Tag, Uhrzeit und Hashtag zum synchronen Posten vereinbaren
    5. Woche −6 Versammlungen und Aktionen live übertragen für alle, die nicht dabei sein können
    6. Woche −2 Kleine Aktionen in jedem Viertel statt einer einzigen Großkundgebung machen
    7. Woche −1 Mehrere Sprecher*innen und die Viertelgruppen zeigen, nicht nur die Listenspitze

    Team

    • Kommunikationskommission: legt Kalender und Botschaften fest
    • Cyberaktivist*innen-Netz: postet synchron auf eigenen Profilen
    • Künstler*innen und Designer*innen: schaffen freie Materialien
    • Nachbarschaftsgruppen: zeigen die Arbeit vor Ort

    Was du misst: Menschen, die über jeden Kanal zu einem Viertelstreffen kommen, unterschreiben oder sich für eine Aufgabe eintragen, gezählt auf der Anwesenheitsliste oder per Herkunftslink. Likes und Aufrufe zählen nicht.

    Risiken im Blick: Synchron posten heißt nicht, Masse vorzutäuschen: nur echte Konten, die sich zu erkennen geben, keine Fake-Profile oder Automatisierung, und jede Angabe mit Quelle.

Üben

Mit Missionen und Situationen des Falls üben.

Entscheide als Plattform

Sechs Momente aus dem Aufbau von Barcelona en Comú. Wähle, was du tun würdest, und sieh, was passiert ist.

11-Monats-Plan

Der Ablauf in Barcelona, 333 Tage zwischen Start und Wahl, als Checkliste.

Der Ablauf in Barcelona, 333 Tage zwischen Start und Wahl, als Checkliste. Dein Fortschritt wird in diesem Browser gespeichert.

  1. Monat 0: Pilotgruppe

  2. Monate 1–3: Start und Legitimität

  3. Monate 4–6: Spielregeln

  4. Monate 5–9: Programm und Konfluenz

  5. Monate 9–10: Vorwahlen und Liste

  6. Monat 11: Wahlkampf und Wahl

Regeln

Die Plattform versprach, Politik anders zu machen.

Die Plattform versprach, Politik anders zu machen. Jede gebrochene Regel kostete sie Glaubwürdigkeit.

Geld mit Namen
Halte das Parteienfinanzierungsrecht ein: Nenne Spender*innen und Gläubiger*innen und veröffentliche die Finanzen. In Valencia machte die Schwesterplattform aus dieser Pflicht ein Werkzeug der Transparenz.
Keine Banken und keine verdeckten Großspender
Das ist eine ethische Entscheidung, keine gesetzliche Pflicht. Es ist auch das, was der Plattform erlaubt, zu sagen, was sie denkt.
Ethikkodex vor der Wahl
Verbindlich für alle, konkret, verständlich und überprüfbar, mit einem Gremium, das die Einhaltung überwacht.
Datenschutz
Unterschriftenlisten, Register und Abstimmungen sind personenbezogene Daten, manchmal auch politische Meinungen. Hol ausdrückliche Einwilligung ein und halte DSGVO, LGPD oder das lokale Recht ein.
Überprüfbare Abstimmungen
Eine Person, eine Stimme: Identitätsprüfung, vorher veröffentlichte Regeln, Ergebnisse mit Beteiligung und Prozentzahlen.
Parität und Barrierefreiheit
Geschlechterparität auf der Liste und in den Gremien, Uhrzeiten, die zu Arbeit und Fürsorge passen, eine Alternative vor Ort zu jedem digitalen Werkzeug.
Registrierung und Name
Kläre früh die Regeln für die Registrierung einer Partei oder Wählergruppe und schütze den Namen, bevor du ihn bekannt gibst.
Nur echte Menschen
Keine Fake-Profile, keine erfundenen Unterschriften, keine doppelten Stimmen und keine automatisierten Konten, um größer zu wirken.
Fakten mit Quelle
Genauigkeit bei Informationen: Glaubwürdigkeit ist das wichtigste Kapital einer Bürgerplattform.
Lokales Recht
In der Europäischen Union nimmt Meta seit Oktober 2025 keine politischen, Wahl- oder gesellschaftspolitischen Anzeigen mehr an, und Google schaltet keine politische Werbung im Sinne der Verordnung mehr. Die Verordnung (EU) 2024/900, die auch für Kommunalwahlen gilt, verlangt Kennzeichnung und Transparenzbekanntmachung bei bezahlter politischer Werbung und erlaubt Targeting nur mit ausdrücklicher Einwilligung und ohne sensible Daten. Kläre die Regeln deines Landes mit einer Anwältin oder einem Anwalt, bevor du anfängst. Siehe den Abschnitt „Recht und Plattformen in der Europäischen Union“ in den Grundlagen.

Grenzen

Was diese Methode nicht kann, und wann sie scheitert.
Sie bringt keine Mehrheit
Mit 25 % und 11 von 41 Sitzen zu gewinnen hieß, in der Minderheit zu regieren, auf Absprachen angewiesen zu sein und Projekte blockiert zu sehen, etwa die Rekommunalisierung des Wassers, die vor Gericht gestoppt wurde.
Beteiligung ermüdet
Nach der Wahl 2015 wurde das Anwerben langsamer: Zwischen 2015 und 2018 war es schwer, als neues Mitglied einzusteigen, und die Pandemie demobilisierte weiter. Bei den Online-Abstimmungen sank die Beteiligung von 87 % der Stimmberechtigten im März auf 23 % im Juli 2015, mit einem starken Rückgang bei den 30- bis 40-Jährigen.
Die Institution verändert, wer hineingeht
Aktivist*innen wurden zu Verwalter*innen, und die Organisation professionalisierte sich. Eine Stadträtin fasste es zusammen: Die Institution verändert uns mehr als wir sie.
Sie hängt an einer Figur
Trotz des kollektiven Anspruchs hielt Colaus Charisma die Koalition zusammen. Die Ausnahme von der Begrenzung auf zwei Amtszeiten wurde genutzt, damit sie erneut antreten konnte; 2025 ersetzte der Kodex diese Regel durch eine Obergrenze von 12 Jahren ohne Ausnahmen.
Auch ethische Regeln nutzen sich ab
Der Sozialfonds aus den überschüssigen Gehältern (La Filadora) verteilte in der ersten Runde 216.000 Euro, endete aber nach 2018 ohne öffentliche Erklärung, während die Opposition der Regierung vorwarf, nahestehende Organisationen zu begünstigen.
Das Digitale erreicht nicht alle
Online-Werkzeuge lassen einen Teil der Älteren und derer mit wenig Zeit außen vor. Ohne Angebote vor Ort reproduziert Beteiligung Ungleichheiten.
Bewegungen und Regierung geraten aneinander
Die PAH selbst kritisierte, dass es gegen Zwangsräumungen zu langsam voranging. Die eigenen Leute an der Macht ersetzen nicht den Druck von außen.
Rathaus 2023 verloren
Barcelona en Comú verlor das Bürgermeisteramt 2023, und die neue Regierung strich einen Teil der Beteiligungsprojekte.

Prüfen

Fünf Fragen, mit Erklärung nach jeder Antwort.

Fünf Fragen, mit Erklärung nach jeder Antwort.

1. Wozu dienten die 30.000 Unterschriften, die im Sommer 2014 gesammelt wurden?
2. Was unterscheidet eine „Konfluenz“ von einer Koalition?
3. Welches dieser Elemente gehörte zum 2014 beschlossenen Ethikkodex?
4. Wie wurde der Wahlkampf 2015 finanziert?
5. War Decidim Teil des Wahlkampfs, der Colau ins Amt brachte?

Weiterlesen

Kostenlose Materialien von Organisationen, die Organizer*innen ausbilden, passend zu diesem Fall.

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Bibliothek

Quellen

Dieses Playbook beruht vor allem auf Material, das Barcelona en Comú und ihre Organisator*innen selbst veröffentlicht haben (der Leitfaden…

Dieses Playbook beruht vor allem auf Material, das Barcelona en Comú und ihre Organisator*innen selbst veröffentlicht haben (der Leitfaden von 2016 und das Buch Fearless Cities von 2019), auf Interviews und Studien mit internen Daten sowie auf Presseberichten von 2014 bis 2026, aufgerufen am 26. Oktober 2026.

37 Quellen

Wer es gemacht hat

Daten

Presse

Analyse

Bild: Barcelona En Comú, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons (adapted)

Aktualisiert am 26. Oktober 2026

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